gelbes gold

Foto: Isabel Machado Rios
Kurz vor ihrem Studienabschluss in der Großstadt kommt Ana zurück in ihren Heimatort in städtischer Randlage, ein Zwischenreich, das sich durch Stille und Weite, aber auch durch kleinbürgerliche Enge auszeichnet. Hier betreibt ihr Vater Fritz inmitten einer Plattensiedlung mit Hingabe und Leidenschaft eine mehr schlecht als recht gehende Pommesbude – auf der manischen Suche nach der perfekten Pommes-Zubereitung. Seine Lebensgefährtin Mimi, Aushilfe im Imbiss, zeigt für diese verzweifelte Goldsuche jedoch nur wenig Verständnis, hat sie sich doch ein anderes Leben erhofft. Ähnliches gilt für Juli, Anas Schulfreundin, die nie rausgekommen ist und in der örtlichen Kita arbeitet.
Und über alledem schwebt nicht nur provinzieller Fettgeruch, sondern auch eine existenzielle Bedrohung durch ein geplantes Outlet-Center und die Abrisskräne im Hintergrund. Mit großer Empathie für die Schrulligkeit und trotzige Tragik der Figuren erzählt GELBES GOLD voller Melancholie und leiser Komik von Krisen und geplatzten Träumen, von Klassismus und Vorortsterben, von Lähmung und gescheiterten Lebensentwürfen – aber auch von Hoffnung, Aufbruch, Wille und Würde.
Theaterstück für 3D/ 1H
Rechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
bei meinen Pommes Frites, da hör ich das, wenn sie fertig sind
die klingen dann anders im Fett
das Brodeln wird heller
fast wie Musik ist das
das muss dir doch genauso gehen!
Uraufführung
02. Dezember 2022, Staatstheater Kassel
Regie: Tobias Schilling
weitere Inszenierungen
Vagantenbühne Berlin, Dezember 2022, Regie: Bettina Rehm
Stadttheater Gießen, Januar 2024, Regie: Malin Lamaparter
Theater Matte Bern, Februar 2024, Regie: Corinne Thalmann
Erstes unordentliches Zimmertheater Osnabrück, März 2025, Regie: Volker Hunsche
Schauspiel Stuttgart, April 2026, Regie: Johanna Rödder-Mikow
Pressestimmen
„Da gibt es Sätze, die sind von unendlicher Traurigkeit. ‚Alles hier stirbt‘, sagt Juli. ‚Und wenn ich bleibe, sterbe ich einfach mit.‘ Und da gibt es Sätze, die bei aller Tristesse einfach nur unsterblich komisch sind. ‚Traurige, betrunkene Männer oben ohne bei elf Grad‘, fasst Ana zusammen, nachdem sie mit ihrem Vater im Fußballstadion war. Eine Definition für die Ewigkeit. ‚Gelbes Gold‘ ist der Bühnenerstling der jungen Berliner Autorin Fabienne Dür und ein Stück von beeindruckender Klarheit und Prägnanz. Der 100-Minüter, im vergangenen Jahr eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt und jetzt am Kasseler Staatstheater uraufgeführt, erzählt vom Festsitzen. Vom Festsitzen in der Provinz und in der sozialen Klasse. In Lebenslügen und Träumen, die hartnäckig scheitern.“
Joachim F. Tornau, Frankfurter Rundschau über die Uraufführung in Kassel
„Was zunächst halbwegs deprimierend klingt, hat ziemlich viel Humor in Fabienne Dürs Stück „Gelbes Gold“. […] Dass die Vagantenbühne es aufs Programm setzt, liegt sicher daran, dass Dür hier als Dramaturgin arbeitet. Aber eben auch an den unbestreitbaren Qualitäten des Stücks. Zwar ist die Grundidee – dass jemand zurück an den Ort seiner Kindheit geht und sichtbar macht, was sonst im Alltäglichen verborgen bleibt – nicht neu. Allerdings hat Dür für ihre Geschichte Figuren geschaffen mit Ecken und Kanten, die einem alle ans Herz wachsen. […] Wie man trotzdem seinen Weg finden kann, ohne sich zu verbiegen, davon erzählt dieser Abend auf sehr sympathische, direkte Art.“
Georg Kasch, Morgenpost über die Premiere in Berlin
„Fabienne Dürs Theatertexte wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der Jugendjury der Mühlheimer Theatertage für »Luft nach oben oder Game Over«, das als Auftragswerk fürs Stadttheater geschrieben und in der vergangenen 2022/23 in Gießen uraufgeführt wurde. Regisseurin Malin Lamparter […] hat ihr neues Werk als in flottem Tempo laufendes Stück eingerichtet und die Darsteller präzise instruiert. […] Insgesamt ein kurzweiliges Vergnügen […] Das Premierenpublikum spendete langen, intensiven Applaus.“
Gießener Anzeiger über die Premiere in Gießen
„Fritten als Scheuklappen und Seitenhiebe, die brennen wie heisse Öl-Spritzer: In «Gelbes Gold» kriegen alle ihr Fett weg. Das Stück, das Corinne Thalmann im Theater Matte inszeniert, lebt von den Geschmacksnuancen zwischen den Zeilen – eine Ode an die Hoffnung, die manchmal vergraben liegt wie ein «Härdöpfel».“
Daniela Dambach, plattformj.ch über die Premiere in Bern
„Fabienne Dürs Sprache ist klar, melancholisch und humorvoll – und dabei immer nah an ihren Figuren. Sie zeigt Menschen, die auf der Suche nach ihrem Glück sind und einem Platz im Leben. Was den Text besonders stark macht: Er beobachtet, statt zu urteilen. Alles darf gleichzeitig nebeneinanderstehen – der Wunsch, auszubrechen, genauso wie das Bleiben. Die Flucht in die Stadt, der Rückzug aufs Land, das Festhalten am Bekannten oder das mutige Loslassen. Ob man den Imbiss schließt oder das Studium abbricht – bei Dür wird nichts davon als richtig oder falsch markiert. Und vielleicht ist das die tröstlichste Botschaft dieses Textes: Es gibt nicht den einen Weg. Es gibt viele. Und: Pommes sind für alle da.“
Aus der Laudatio für den Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts 2025
– Nominierung für den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2021
– Nominierung als Nachwuchsautorin im Theater Heute Jahrbuch 2023
– Besondere Erwähnung bei der Eurodram Auswahl 2024
– Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts 2025